Frau Förster räumt auf

Frau Förster räumt auf

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würde ich dieses Bild nennen, wenn es ein Roman wäre. Förster wäre natürlich nicht ihr Name, sondern ihr Titel. Da ihr Dienstmädchen von gestern auf heute gekündigt hat, packt sie eben selbst an – im Frühjahr muss das alte Zeug raus! Ich kann gut mit Frau Förster, ich habe mein ganzes Kinderleben neben ihr gewohnt und jedes Mal das vom Förster erlegte und ausgestopfte Wildschwein, den Fuchs und den Fasan gegrüßt, wenn ich da aus und ein ging, weil Försters Kinder unsere Freunde waren. In der kleinen Straße in der wir wohnten, übten einige Frauen ihre eigenen Berufe aus, inklusive meiner Mutter. Es waren Berufe, bei denen man saubere Hände brauchte, man musste sie herzeigen können. Meine Mutter hatte eine Hebammen-Praxis, zum Beispiel und da waren saubere Hände unerlässlich. Aber alle diese Frauen haben auch Teppiche geklopft, die Böden gewienert und in der Erde gebuddelt, und manchmal kam es dann zu so herrlichen Szenen ähnlich wie diese oben auf dem Foto. Unsere Mütter arbeiteten hart, zur Maniküre ging keine von ihnen und angemalte Fingernägel galten auf dem Dorf in den Siebzigern als anrüchig. Ich mag das: Sich nicht zu schade sein zum Anpacken, Ausmisten und dabei richtig schmutzig zu werden. Sich an Dornen reißen, das Jucken der Brennessel auf der Haut fühlen. Sich dann aber auch wieder schick machen. Jeder Frühling ist sozusagen eine zweite Chance. Das ist wie Passion und Ostern. Das ist bereinigen, Vergebung empfangen und gewähren. Das ist Leben in echt und Farbe. Grüße mir die Förster, falls Du ihr begegnen solltest.