Sommerfrische

Sommerfrische

Version 2

liebe Leserinnen und Leser,

muss man in diesem Fall einfach sagen, wenn man von einem zweiwöchigen Aufenthalt im August in Österreich spricht. Niemand anderer kann den Begriff Sommerfrische in eine melodischere Aussprache kleiden als unsere Alpennachbarn, deren Staatsgebiet bis an die italienische Adria und tief hinein in den Balkan reichte, als dieses Wort erfunden wurde. Wie nüchtern klingt dagegen der banale deutsche: URLAUB.
 Wir waren mal wieder, nach langen Jahren, in Kärnten. Spittal, Villach, Klagenfurt. Millstädter-, Ossiacher-, Wörthersee. Drautal. Radeln, verträglich wandern, schwimmen, durch wunderhübsche Städtchen bummeln. Tagesfahrten nach Graz, nach Italien und Slowenien machen. Über fünfzehn Darreichungsformen österreichischen Cafés philosophieren, sich Zeit lassen und dankbar zusehen, wie der Bauer mit seinem Traktor Zeile für Zeile seiner grünen Wiese liest, als wäre es ein Andachtsbuch.

Schloss Duino,

innere Ansicht ...

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 hier der Blick, aus einem der Schlafzimmer, liegt an der adriatischen Küste in einer langezogenen Bucht kurz vor Triest – zwei Autostunden von Klagenfurt entfernt Auch wenn ich von Rilkes Duiner Elegien nie mehr als ein paar Sequenzen gleichzeitig gelesen habe, sie sind mir zu elegisch, musste ich einfach diesen Ort besuchen, an dem sie in den Jahren 1912-1922 entstanden. Rilke, wie viele andere Künstler seiner Zeit, (unter ihnen Franz Liszt und Mark Twain) war auf Schloss Duino für lange Monate Gast der verh. Gräfin Marie von Thurn und Taxis. Sie war eine große Mäzenatin und 1855 in Venedig als eine Prinzessin Hohenlohe-Schillingsfürst.  

Auch der Wanderweg, hoch über den steilen Karstfelsen, den Rilke immer ging, kann noch heute begangen werden. Uns war es bei über 30 Grad und sengender Sonne zu heiß. Dafür sind wir – ernüchternder Widerspruch der Zeitgeschichte – in den Bunker hinabgestiegen, der von den Nazis in den Felsen, auf dem das Schloss steht, getrieben wurde, und als Verteidigungsbollwerk gegen feindliche Kriegsmarine dienen sollte. Duino war fast menschenleer, umso angenehmer für uns. Der Blick auf das Meer atemberaubend. Während der Wintermonate ganz sicher aber die Blaupause für Elegie und schwere Gedanken. Kein Wunder also. 

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 Um ihm, dem unglücklich aufgewachsenen und in einer Militärkadetten-Anstalt gebrochenen  fleissigen und genialen Dichter nicht unrecht zu tun, die erste Strophe aus Übung am Klavier 

 
Der Sommer summt. Der Nachmittag macht müde;
sie atmete verwirrt ihr frisches Kleid
und legte in die triftige Etüde
die Ungeduld nach einer Wirklichkeit;

Trieste

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Nachdem ich im Frühjahr einen Kriminalroman gelesen hatte, der 1907 in der Stadt Triest spielt, wollte ich endlich diese Stadt auch einmal sehen. Sie weiß um den Wert ihrer geografischen Lage. Ein Stück Stolz weht durch ihre alten Straßen und Gassen, flankiert von hohen Gebäuden und Häusern. Zwischen Wien und Venedig gelegen, war sie zu K&K Zeiten Hochburg des Handels, der Schwerindustrie, resp. Schiffsbau und Vielvölker-Leben – Österreichisch, Italienisch, Kroatisch, Jüdisch geprägt. Erhaben, selbstbewusst und verletzlich zugleich. Es gibt mittlerweile wieder Synagoge und zwischen den Straßenpflastern liegen Stolpersteine, in den Docks Riesenkähne, im Stadthafen, Segelboote und Jachten, draußen auf Reede eine Luxusjacht, in der Farbe eines Panzerkreuzers – man will in diesen Tagen vielleicht lieber nicht wissen, wem sie gehört … 

Version 2

Der berühmte irische Schriftsteller James Joyce (1882-1942) lebte in Dublin, Paris, Zürich und eben Triest. Ob dies einst sein Stammkneipe, sein Stammcaféhaus war? Es gab in Triest so viele Caféhäuser wie in Wien, weil hier das schwarze Gold mit den Schiffen ankam. Ob James Joyce ein Weihnachtsfan war? Die grüne Girlande irritiert den Hochsommer allerdings nur für einen Lidschlag, bevor er sich einer der nächsten Eisdielen und der Biscotterien im Stil der Jahrhundertwende zuwendet. 

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Lubljana,

einige der Alten nannten diese Stadt in meiner Teenagerzeit noch mit ihrem deutschen Namen Laibbach. Schon damals übte der Klang einen Reiz auf mich aus, aber es lag zu dieser Zeit schlicht in Jugoslawien, wo es uns nicht hinzog. Wir besuchen seit einigen Jahren Städte mit dem Fahrrad. Man kommt weiter, sieht mehr. Genau wie Graz (österreichische Fahrradhauptstadt) ist auch die Slowenische Hauptstadt höchst Fahrradfreundlich. Nur dort, wo die Fußgängerzone am dichtesten ist, was rein daran liegt, dass Restaurants und Cafés zwei Drittel davon bestuhlen dürfen, muss man absteigen. Der Rest, kein Problem. 

Lubljana kam uns noch internationaler vor als Triest. Und tiefenentspannt. Keine düster dreinschauenden und meckernden Rentnergangs. (Langsam darf ich mir erlauben, das zu sagen, wir sind ja auch schon kurz nach 50) Keine unzufriedenen Tischnachbarn, die die Kellner:Innen zusammenpfeifen. Nettes junges, schickes Personal, egal wo, geduldige Tankwarte, die Touristen was erklären. Viele junge Menschen und Familien, alle möglichen Sprachen. Eine sehr saubere Toilette, selbst an der kleinen Schiffsanlegestelle mit Imbiss entlang des Flussradweges, dem wir vom Zentrum der Stadt hinaus für einige Kilometer gefolgt sind. Gepflegt, müllfrei, mit vielen Bänken unter jungen und uralten Trauerweiden. Schön gebaute Einstiegstellen für Kanuten, Standup-Paddler und Badende.

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Wenigstens eins der Bücherbilder, die ich in den Städten, die besuche sammle, habe ich für Sie und Euch

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Antiquariat auf Slowenisch. Es wird noch gelesen. Gegenüber eine Buchhandlung, aber ich wollte keine Menschen drauf haben, und hier war für ein paar Sekunden alles schön frei. 

War ich zu überschwänglich, mit meinem Schwärmen von der Sommerfrische? 

I mean … unsere internationale Familie liebt es, wenn das echte Wiener Schnitzel über den Tellerrand hängt. Alltag ist das auch bei ihnen nicht, aber was will ich sagen: Uns nüchternen Deutschen tut ein wenig Begeisterung gut. Ich war so unendlich dankbar für diesen Urlaub. Für jeden einzelnen Tag, jeden Sonnenstrahl, jeden Kilometer auf dem Fahrrad. 

Demnächst gehen meine Vorträge und Lesungen wieder los. Die Teenagergruppe. Seit einiger Zeit leite ich in der kleinen ev. Bücherei in unserem Ort. Da das Bibliotheksfach mein gelernter Beruf ist, bin ich grundsätzlich mit ihm vertraut, doch das spezielle Prozedere ist überall ein wenig anders. 

Wenn Sie, wenn Ihr Lesestoff braucht, dann einfach hier stöbern und klicken. 

Auf Wiederschauen und Servus,

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Ihre, Eure Elisabeth Eberle